5. Dezember 2014 Neue Medien

STICHWORT: MÄNNERGESUNDHEIT – TEIL 2

Dr. Axel-Jürg Potempa, Urologe, Sexualmediziner und Autor des Buches „Was Sie besser nicht über Sex wissen sollten“ aus München, berichtet über typische männliche- Verzögerungstaktiken, Vorbehalte und Ängste, wenn es um die eigene Gesundheitsvorsorge geht.

Männer sind sich in den meisten Fällen durchaus bewusst, dass ein jährlicher vorsorgender Arztbesuch vernünftig und schlau wäre. Aus meiner Praxis weiß ich aber leider, dass oftmals erst ein akuter Anlass die Tat folgen lässt. Viel wichtiger scheint zu sein, dass das eigene Auto seinen jährlichen Check bekommt oder alle zwei Jahre der TÜV bestanden wird. Der Mann ist schließlich ein Indianer, der seine Probleme selbst löst und keine fremde Hilfe braucht.

Und wenn es dann doch irgendwo drückt oder zwickt, bespricht man dies zuerst einmal am Lagerfeuer mit seinen Stammesbrüdern. Nun ja, zugegeben, es sind dann mehr die Stammtischbrüder in der Eckkneipe. Dort kann er sich doch viel qualifiziertere Hilfe holen als beim Medizinmann.

Aber mit der steigenden Zahl an Bieren oder heutzutage Sprizz wird man dann doch nachdenklich. Und war da nicht dieser Saunakumpel, der plötzlich nicht mehr erschien, weil er ins Krankenhaus musste? Dies ist der Zeitpunkt, wenn alle Dämme brechen und Nachbarn oder Bekannte als schicksalsgebeutelte Geschlechtsgenossen herhalten müssen, die nach einer Operation inkontinent oder sogar impotent geworden sind. Was war denn da passiert? Hat denn die Natur keinen Respekt mehr vor dem Mann als perfektem Wesen? Ist er tatsächlich verletzlich?
Auf einmal befällt den Mann das ungute Gefühl, dass es auch ihn irgendwie treffen könnte, obwohl doch eigentlich noch nichts richtig weh tut.
„Warst Du schon einmal beim Urologen?“ Wenn diese Frage zum ersten Mal über die männlichen Lippen rollt, dann fühlt er sich oft schon in dieser Rolle des Bittstellers. „Kann es denn tatsächlich etwas geben, dass das Wissen und die Möglichkeiten des hochgeschätzten Hausarztes übersteigt?“

In Gesprächen mit hausärztlichen Kollegen oder bei Vortragsveranstaltungen merke ich immer wieder, wie sehr sich die Gespräche beim Urologen von denen der Kollegen aus anderen Disziplinen unterscheiden. Urologen bezeichnen sich gerne als Männerärzte, was schade ist, da unsere Patientinnen das Salz in der Suppe sind und in keiner Praxis fehlen dürfen. Aber es ist so schön einfach als logisches Pendant zum Frauenarzt, die Männer auf diese Weise von regelmäßigen Kontrollen zu überzeugen. Nur schade, dass die Männer der Cleverness ihrer Frauen nicht einmal in diesem Punkt nacheifern.

Ganz anders entwickelt sich der Wunsch zum Arztbesuch, wenn der Penis nicht mehr steif wird oder er die Kontrolle über seine Ejakulation völlig verliert. Jetzt muss er wirklich krank sein, denn trotz aller eigenen Bemühungen, wird es nicht besser. Nach einer Schrecksekunde wird es ihm klar, er braucht Hilfe, fremde Hilfe, noch viel schlimmer…er braucht Hilfe vom Urologen!
Nach der noch zögerlichen Terminvereinbarung („Hoffentlich stellt die Sprechstundenhilfe am Telefon keine Fragen…!“) ist er dann in den Fängen des Arztes, der alles von ihm wissen will, was er sich noch nicht einmal selbst zu fragen getraut hat.
Und auf einmal fühlt der Besuch bei Urologen sich dann doch gut an, ist fast schon befreiend. Endlich einmal kann er sich alles von der Seele reden, was er seinen Kumpels oder ewigen Stammesbrüdern nie hat sagen können. Die meisten Erektionsprobleme beginnen nämlich tatsächlich im Kopf.

Ganz nebenbei wurde auch noch die Krebsvorsorge gemacht, die im Gegensatz zu allen Erzählungen auch überhaupt nicht wehgetan hat. Aber das Beste ist, dass er eine Therapie gegen seine männlichen Probleme bekommen hat und er jetzt nicht nur voller Selbstvertrauen bei seinen Jungs etwas zu erzählen hat, sondern auch bei der oder dem Liebsten wieder ganz seinen Mann stehen kann. Endlich kann er es sich selbst zugestehen, dass es zwar ein tolles Gefühl ist, wenn der Wagen nach einer Inspektion wieder spritzig Gas annimmt, aber es unschlagbar ist, als Mann mit der Sicherheit bestätigter Gesundheit, zusammen mit seiner Partnerin oder Partner eine Nacht lang richtig tollen, befriedigenden Sex zu haben.
Er darf sich nur nicht selbst im Wege stehen, denn entgegen der Volksmeinung ist der Mann sehr wohl Multitasking-fähig und kann auch mal mehrere Probleme gleichzeitig verursachen.

Ich bin full on LOVE,…
…weil auch für uns Männer gerade der richtige Mix aus gefühlvoller Liebe und phantasievollem spannenden Sex die größte Belohnung für die oft nüchternen Anforderungen im männlichen Tagesablauf darstellt.
Dr. Axel-Jürg Potempa

Zum Magazin Tagged: , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

zwei × 2 =