22. Dezember 2014 Liebling und Schatz

IS‘ DENN HEUT‘ SCHO‘ WEIHNACHTEN?

Liebling & Schatz sind Paarberater und Autoren des Buchs „Höchste Paarungszeit – Erotisches für Eltern im Alltagschaos“. Seit fast 20 Jahren verheiratet leben sie mit zwei Kindern in München.
Frau Liebling erzählt:
Weihnachten, schon wieder dieses Weihnachten. Kommt plötzlich und unangekündigt um die Ecke und verlangt meine geballte Aufmerksamkeit. War es nicht gerade noch November?

Wie kommt’s, dass ich schon wieder übersehen habe, dass der erste Advent eigentlich gleich nach Allerheiligen ist und ich wieder mal keine selbstgebastelten Adventskalender für die Kinder hinbekommen habe?

Wie kann es sein, dass ich mich schon wieder alleinverantwortlich für sämtliche Geschenke fühle – vom Trinkgeld für die Zeitungsbotin bis hin zur immergleichen Körperlotion für Schwiegermutter und die drögen Geschichtsbücher für Herrn Papa? Von den atemlosen Geschenken an die Kinder und den Ehegatten ganz zu schweigen.

Gut, Online-Shopping hilft. Aber wer sitzt dann Abends vorm Computer und unterteilt die lange Liste der Kinder in vernünftige und unvernünftige Geschenke? Wieder ich.

Tja, und dann das Fest. Das Schmücken des Weihnachtsbaums ist mein Ding. Das liebe ich. Da lasse ich niemanden ran. Weiß schließlich genau, wie ich ihn haben will, den Prachtkerl. Ordentlich buschig natürlich. Da kann ich doch unmöglich Herrn Schatz alleine losschicken. Holt eh wieder den falschen. Soll sich lieber um einen ordentlichen Ständer kümmern. Endlich mal einen mit Seilzug, mit dem man das Ding so wahnsinnig einfach reinbekommt.

Ob ich es wenigstens dieses Jahr schaffe, die Geschenke früher einzupacken als in der Nacht vor dem 24. Dezember. Herr Schatz seilt sich bestimmt wieder ab und geht früh ins Bett, während ich bis ein, zwei Uhr morgens mache und tue. Mann, regt mich das auf. Aber er packt ja die Päckchen sowieso nur schlampig ein. Nicht wie ich, mit Liebe und Schleifchen. Obwohl sich die Kinder dann ja eh nur auf die Geschenke stürzen und sie aufreißen, als würden sie davon laufen. Wie eine Meute Wölfe, die sich auf ein armes Bambi stürzt.

Wetten, dass die große Bescherung vor den neugierigen Augen von Eltern und Schwiegereltern bestimmt wieder Herr Schatz liefert? Letztes Jahr waren es spitzenmäßige Dessous, noch dazu im Schritt offen. Sogar eine Maske war dabei und kecke Handschuhe. Dunkelviolett. Ganz meine Farbe. Eigentlich echt schön. Hat er mir einfach so unter den Baum gelegt. Ahnungslos plaudernd habe ich die Schachtel aufgemacht. Hatte ja keine Ahnung, um was es sich handeln würde. Und dann dieses gehauchte Nichts. Die Kinder haben total neugierig geguckt und Herr Schwiegerpapa noch neugieriger. Am liebsten wäre ich in den Boden versunken. Abreger statt Anreger.

Eigentlich würde ich gerne mal Weihnachten nur zu viert feiern. Herr Schatz, die Kinder und ich. Einen extra kleinen Baum würde ich kaufen, buschig darf er ja trotzdem sein. Jeder bekäme nur ein Geschenk, die Adventskalender sind nur aus Schokolade und die Plätzchen werden gekauft. Zu essen gäbe es, was im Kühlschrank ist – Herr Schatz, übernehmen Sie! Am ersten Weihnachtsfeiertag mal Joggen, mal Buch auf der Couch. Und Abends dürften die Kinder bei Oma und Opa übernachten. Wegen der Dessous natürlich. Den Champagner hätte ich sogar schon kalt gestellt. Vielleicht muss ich mit ihm über diese Idee einfach mal reden.

Herr Schatz erzählt:
Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier: Steht echt schon Weihnachten vor der Tür? Muss wohl, Frau Liebling ist jedenfalls zunehmend nervös. Bastelt und backt und kauft und ärgert sich, dass sie wieder alles alleine machen muss.

Und dann diese Geschenke-Orgien. Das ist ja bald schon hohe Mathematik , welche Oma oder welcher Onkel welchem Kind was schenkt und wie viel das kosten darf. Helfen kann ich  ja leider nicht, auch nicht beim Weihnachtsbaum, der irgendwie immer so buschig sein muss, oder beim Einpacken. O.k., bin auch nicht gerade der Feinmotoriker unter den Weihnachtsmännern. Aber was soll’s. Die Kinder reißen ja sowieso nur alles auf. Würde ich genauso machen. Frau Liebling wirkt da immer gleich ein bisschen beleidigt.

Dieses Jahr also wieder mal volles Haus. Eltern und Schwiegereltern inklusive. Frau Liebling und ich haben endlich mal beide frei, aber wir kommen eh wieder zu nix. Zum Orgasmus sowieso nicht. Keine Zeit, keine Zeit. Und die alten Eltern, die könnten uns auch hören. Sagt Frau Liebling. Muss halt alles perfekt sein. Auch der himmlische Frieden.

Alles, wirklich alles will sie perfekt machen, meine Herzensdame. Was ich an und für sich ja sehr an ihr mag. Aber eigentlich würde ich mir wünschen, dass sie diese Stresstage einfach etwas lockerer nimmt. Spaghetti statt großem Braten halt. Würde ich dann auch machen.

Vonwegen machen: Geschenke. Letztes Jahr war da echt der Wurm drin. Meine Schwiegereltern haben mir doch echt ein Motivationsbuch geschenkt: „Werde glücklich, werde reich!“ Ha, glücklich wäre ich ja gewesen, wenn sich Frau Liebling nur etwas mehr gefreut hätte, über mein Geschenk für sie, dass mich fast arm gemacht hat. Tolle Wäsche, dunkelviolett. Ein bisschen verwegen und vollkommen sexy. Sie wäre vor Scham fast umgefallen, als sie das Päckchen öffnete. Dabei ist sie doch sonst alles andere als prüde. Und dann ist sie deswegen auch noch den ganzen Abend sauer. Das nächste Mal lege ich ihr solch ein Geschenk einfach unter die Bettdecke. Wenn sie sich am heiligen Abend da reinkuschelt, wartet eben noch etwas Unheiliges auf sie.

Wie sehr würde ich mir mal entspanntere Weihnachten wünschen. Ohne dieses ganze Familien-Gewese. In diesem Jahr habe ich noch eine Überraschung für Frau Liebling. Aber nicht verraten! Am zweiten Weihnachtsfeiertag bleiben meine Eltern nämlich bei den Kindern und ich habe für uns beide ein Hotelzimmer in der Stadt gebucht. Was nach dem sündhaften Dessous-Kauf gar nicht so teuer war. Die neue Wäsche kommt natürlich mit. Und ihr Lieblingsspielzeug auch: ich.

Wir sind full on LOVE, …
… weil wir nicht aufhören, uns neu zu entdecken. Wir fordern uns einfach saugerne heraus.
Liebling & Schatz

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