10. April 2015 Neue Medien

EREKTIONSSTÖRUNGEN – WARUM MAN(N) MANCHMAL NICHT KANN

Dass auf Erregung Ernüchterung folgt, ist keine Seltenheit. Viel mehr Männer als man glaubt leiden unter Erektionsstörungen –  statt Lust herrscht dann Frust im Schlafzimmer. Doch Potenzprobleme bedeuten nicht, dass Flaute im Bett herrschen muss. Es gibt Mittel und Wege, um wieder Spaß  beim Liebesspiel zu haben und sich keinen Sex-Stress zu machen. Wir haben mit dem Urologen, Sexualmediziner und Buchautor Dr. Axel-Jürg Potempa gesprochen – über Erektionsstörungen, deren Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.

Doktor Potempa, wie viele Männer in Deutschland leiden unter Erektionsstörungen?
Das Problem ist weiter verbreitet als man denkt. Jeder vierte Mann in Deutschland leidet unter Erektionsstörungen. Bei manchen tritt das Problem ständig auf, bei anderen nur gelegentlich.

Was genau versteht man unter einer Erektionsstörung?
Der Fachbegriff für dieses Problem lautet Erektile Dysfunktion. Leidet man darunter, bedeutet das, dass sich der Penis trotz Erregung nicht ausreichend versteift und befriedigenden Sex  erschwert.

Wo liegen die Ursachen für die Potenzprobleme?
Das kann ganz unterschiedliche Auslöser haben. Meistens sind es organische Ursachen. Dazu können hormonelle Störungen, hoher Blutdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht und Gefäßprobleme gehören. Auch Rauchen kann ein Grund sein. Manchmal ist das Problem auch in der Psyche begründet. So können Erwartungsdruck, Angst, Stress oder Depressionen dazu führen, dass die Erektion gestört ist. Das kann ein Teufelskreis sein. Denn als Folge der Potenzprobleme verlieren viele Männer an Selbstwertgefühl und so entwickelt sich eine Spirale aus Versagensangst und Selbstzweifel. Oft lässt bei den Betroffenen dann sogar die Leistungsfähigkeit im Job nach.

Und wie gehen die Betroffenen damit um?
Man(n) will das meistens erst einmal mit sich selbst ausmachen. Manchmal dauert es drei bis fünf Jahre, bis ein Betroffener den Mut fasst und einen Arzt aufsucht. Die Beweggründe  dafür sind ganz unterschiedlich. Mal kommt der Antrieb von dem Erkrankten selbst und mal ist es die Partnerin, die ihren Mann zum Arztbesuch drängt. Dabei ist auch zu bedenken, dass es den betroffenen Mann oft einiges an Überwindung kostet, überhaupt erst einmal mit seiner Partnerin über sein Problem zu reden. Wenn das passiert ist, kommt es sogar vor, dass die Frau mit in die Praxis kommt, um sicherzustellen, dass ihr Partner auch wirklich zum Arzt geht. In so einem Fall führe ich auch ein Einzelgespräch mit der Frau – um herauszufinden, wo genau es beim Sex hakt.

Auf welche Untersuchungen muss ein Mann sich einstellen, wenn er zum Arzt geht?
Am wichtigsten ist, dass ein offenes und ehrliches Gespräch zwischen dem Patienten und dem Arzt stattfindet. In der Regel wird dann neben einer körperlichen Untersuchung und einer Ultraschalluntersuchungen zusätzlich Blut abgenommen und je nach Symptomatik der Urin und das Sperma  zur Überprüfung ins Labor geschickt.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Erektionsstörungen?
Mit Potenzpillen kann man Erektionsstörungen erfolgreich behandeln. Bei drei von vier Männern führen solche Pillen zu einer standfesten Erektion. Ganz wichtig: Sicher sein, dass es sich um die Originalmedikamente handelt. Billige Kopien aus dem Ausland oder gefälschte Potenzpillen aus dem Internet können lebensgefährlich sein!

Gibt es denn ganz neue, innovative Therapiemöglichkeiten?
Wir Ärzte sind über jeden neuen innovativen Therapieansatz dankbar. Hierzu gehört eine besonders sichere, nebenwirkungsarme neue Potenzpille auf Avanafil-Basis, die sogar besonders schnell und kräftig wirkt. Neben den systemisch wirksamen Tabletten gibt es aber auch eine neue direkt am Penis wirksame gelartige Creme mit dem Wirstoff Alprostadil, die auf anderem Wege zu einer Erektion verhilft. Während man sich früher nur einer Behandlungsform bediente, kommt man immer öfter auch durch ärztlich kontrollierte Kombinationentherapien zum gewünschten Erfolg.

Was kann man tun, um Erektionsstörungen vorzubeugen?
Neben einer ausgeglichenen Ernährung und Minimierung von Alkohol und Nikotin, ist meine dringendste Empfehlung die ausreichende Bewegung, z. B. durch Vermeidung von Fahrstühlen, und eine regelmäßige sexuelle Aktivität, die sogar vor bösartigen Erkrankungen schützen kann. Dabei ist es nicht unbedingt notwendig, eine Partnerin zu haben, denn auch die Selbstbefriedigung mit allen ihren Spielarten ist nachweislich gesundheits- und erektionsfördernd. Also: Use it or lose it.

Wie sollte man als Partnerin oder Partner das Thema ansprechen ohne zu verletzten?
Der wichtigste Tipp ist sicher, jede Art von Druck und Vorwürfen zu vermeiden. Jede erneute Verunsicherung treibt den Mann mit Erektionsstörungen weiter in die Versagensangst und verstärkt den Verlust an Selbstwertgefühl. Hier kann die Partnerin oder der Partner auf einfühlsame Art und Weise zeigen, dass Sexualität nicht unbedingt penile Leistungsfähigkeit bedeuten muss, sondern die richtige Partnerschaft besonders durch Gefühl und Intimität geprägt ist, ohne auf Lust verzichten zu müssen. Leidenschaft lebt von der reflektierten, aufsteigenden Lust der Partnerin oder des Partners und ist gleichzeitig durch die abwechselnde sexuelle Aktivität charakterisiert. Unsere Phantasie spielt dabei die Schlüsselrolle, die durch Streicheleinheiten und Massagen als Zeichen der körperlichen Nähe oder durch Rollenspiele das Erlebnis der Gemeinsamkeit unvergesslich macht. Toys erleichtern dabei nicht nur den Körper der Partnerin oder des Partners besser kennenzulernen, sondern sie nehmen dem Mann seinen quälenden Performancedruck und ermöglichen neue erotische Spielarten, die in vielen Fällen in einer besseren penilen Erektion münden.

Herr Dr. Potempa, wir danken Ihnen für dieses Interview.

Ich bin full on LOVE…,
…weil auch für uns Männer gerade der richtige Mix aus gefühlvoller Liebe und phantasievollem spannenden Sex die größte Belohnung für die oft nüchternen Anforderungen im männlichen Tagesablauf darstellt.
Dr. Axel-Jürg Potempa

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