13. März 2015 Yella Cremer

DAS SPIEL MIT DER MACHT

„50 Shades of Grey“ hat BDSM in die Medien und die Köpfe von Millionen Lesern und Kinobesuchern gebracht. Viele Menschen sind neugierig geworden, was es denn nun genau auf sich hat mit diesen verborgenen Spielarten.
Dabei hat die Lust im Spannungsfeld zwischen Dominanz und Unterwerfung, Macht und Ohnmacht zahllose Abstufungen – so praktizieren viele Paare bereits milde Formen von SM ohne dass sie jemals auf den Gedanken kommen würden, es so zu nennen.

Eine besondere Form ist das Rollenspiel rund um Macht & Dominanz. Das kennen wir alle aus dem Alltag und die meisten Menschen erkennen intuitiv, ob jemand mehr oder weniger Macht als man selber hat.

Beruflich z.B. sind die Rollen meistens klar verteilt. Machtgesten des Vorgesetzten werden oft als unangenehm empfunden, weil man sich ihnen hilflos ausgesetzt fühlt. Vielen Menschen geht es so mit Behörden, bei denen sie das Gefühl haben, dass egal, was sie machen, es doch nichts nützt.
Ganz anders verhält es sich bei SM –Rollenspielen. Hier gibt es eine Möglichkeit, spielerisch Situationen von Macht und Ohnmacht zu gestalten, Dominanz und Gehorsam neu zu besetzen – und diesmal lustvoll!

Das mag schon damit beginnen, dass Sie die spitze Bemerkung oder die etwas schroff geratene Abweisungen des Partners nicht einfach so hinnehmen, sondern mit einem spielerischen Klaps bestrafen. Vielleicht ist es auch ein Anzug oder eine Uniform, die das Kopfkino zum Rotieren bringt. Bei anderen beginnt es möglicherweise damit, dass beim Liebesspiel der Partner sanft festgehalten wird oder mit einem Schal die Augen verbinden oder Arme oder Beine am Bettgestell fixiert werden.
Aber auch Rollenspiele sind reizvoll. So kann der Chef plötzlich sehr streng sein, die Sekretärin jedoch mit allen Mitteln der Verführung versuchen das harte Herz des Chefs zu erweichen. Oder die Lehrerin bringt dem faulen Schüler Disziplin bei, dieser versucht jedoch unaufhörlich mit List und Geschick einen weiteren Blick in den Ausschnitt der Lehrerin zu erhaschen.
Anders als im echten Leben, werden die Rollen übertrieben und – ganz wichtig – nicht so ernst genommen. Jeder weiß zu jedem Zeitpunkt, dass das Spiel wieder aufgelöst werden kann.

Nicht nur das Übertreiben oder spielerische Austragen von Machtunterschieden kann aufregend sein, sondern auch die totale Hingabe in die Ohnmacht oder aber die Erlaubnis zum Dominieren.
Gerade Menschen, die im Alltag das Sagen haben und viele Entscheidungen treffen müssen, genießen es oftmals sich beim SM-Rollenspiel in der devoten Position des „Sub“, also des Dominierten, fallen zu lassen und einmal genau gesagt zu bekommen, was sie zu tun haben. Dabei können sie den eigenen Kopf ausschalten, mental zur Ruhe kommen und sich komplett auf die sexuelle Erfahrung einlassen. Umgekehrt ist es eine aufregende Erfahrung, einmal die Führung zu übernehmen (also zum „Dom“ zu werden) und genau zu bestimmen, was als nächstes geschehen soll, gerade, wenn man im Alltag das Gefühl hat sich ständig nach anderen Menschen richten zu müssen.

Aber warum ist das Spiel mit der Macht für viele so erregend? Gleichberechtigung gilt doch sonst immer als besonders erstrebenswert. Das ist es ganz sicher im Alltag so, doch beim Sex spielt weniger die Vernunft die Hauptrolle, sondern ganz archaische Anteile von uns, die so gar nicht politisch korrekt sind.
Der Rahmen eines Spiels ermöglicht es, diese Anteile auszuleben. In dem geschützten Rahmen wird Hingabe und Ohnmacht dann nicht als bedrohlich erlebt, sondern die Kontrolle bewusst abzugeben ist hoch erotisch.

Es gibt in vielen Menschen die Sehnsucht, dass sie einfach in ein Abenteuer reingezogen werden, von etwas überwältigt werden, was „einfach geschieht“ und gleichzeitig sehr schön ist. Sozusagen der unbeschwerte Teil der Kindheit, wo wir wunderbar umsorgt wurden, ohne selbst viel Verantwortung tragen zu müssen.
Im Rollenspiel können sich solche Wünsche erfüllen und mit etwas Geschick findet der dominante Part ebenfalls ein paar geheime Wünsche heraus, die ihm Spaß machen.
In der Rolle des Dominanten erfüllt sich ein anderer archaische Anteil in uns: der Genuss einmal uneingeschränkt bestimmen zu können, wo es langgeht. Und das, ohne das die lustbringende Aktionen vernünftig, gleichberechtigt oder im Vorfeld abgestimmt sein muss – alles natürlich immer in den zuvor bestimmten Grenzen des Spiels. Hier kann die Diva sich entfalten, der Diktator auch die absurdesten Wünsche ausleben ohne dafür verurteilt zu werden oder sich rechtfertigen zu müssen. Da beide Partner zusammen spielen, ist es wie ein Tanz: der eine führt und der andere folgt. Nur zusammen funktioniert es.

SM-Rollenspiele in dieser Form brauchen keine aufwändigen Accessoires oder Vorbereitungen. Zwar kann ein kleines Symbol für die Rolle wie z.B. die strenge Brille der Lehrerin eine schöne Ergänzung sein, doch das wesentliche spielt sich im Kopf der Spielenden ab.
Wichtig ist es, einen präzisen äußeren Rahmen zu stecken, wo das Spiel beginnt und wo es wieder endet. Für die Kommunikation im Spiel muss immer ein eindeutiges Stoppwort vereinbart werden, denn sonst lässt sich ein „Nein, bitte nicht“ im Zweifelsfall nicht mehr eindeutig interpretieren. Es stellt sich die Frage:“ Soll ich nun wirklich aufhören oder ist die Gegenwehr besonders gut gespielt?“ Viele wählen dafür eine Abstufung wie im Ampelsystem:
„Grün“ bedeutet „Ja, weiter so.“, „Gelb“ schon ein deutliche kritischeres „Grenzwertig, das gefällt mir nicht sonderlich. Lass uns etwas anderes probieren.“ Und der Ausruf „Rot“ ist ein klares „Sofort Stopp! Ich will das du aufhörst“. In keinem Fall darf dieser Code missachtet werden, denn das Fallenlassen und lustvolle Dominieren funktioniert nur mit uneingeschränktem Vertrauen in den Partner.

Wer das Rollenspiel erweitern möchte, kann sich kleine Accessoires bereitlegen die z.B. zu Maßregelung ungehorsamer Schüler passen, wie z.B. ein Lineal. Oder der Chef findet sicher ein Stück Klebeband im Büro um der frechen Sekretärin den Mund zu verbieten.

SM Rollenspiele bieten ganz neue Erfahrungen zum Thema Macht und Ohnmacht und eignen sich um nur mithilfe von ein wenig Phantasie Abwechslung ins Schlafzimmer (das Wohnzimmer, die Küche, das Büro…) zu bringen.

Wenn Sie neugierig darauf sind, überlegen Sie sich ein Szenario, das sie gerne spielen würden und laden sie dann ihren Partner ein, ob er mitspielen möchte.

 

Ich bin full on LOVE,…
… weil es einer meiner größten Wünsche ist, dass alle guten Sex haben können!
Yella Cremer

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