18. März 2015 Neue Medien

BURLESQUE – DIE KUNST DER VERFÜHRUNG

ChiChi Bouvet  hatte schon als junges Mädchen ein Faible fürs Tanzen. Damals wollte sie unbedingt Ballerina werden.Als sie dann viel später Burlesque-Ikone Dita von Teese in ihren Glitzerkostümen und mit den riesigen Federfächern hat tanzen sehen,  gab es keinen Zweifel mehr, dass sie genau das auch machen wollte. Heute begeistert Sie mit Burlesque Performances ihr Publikum und gibt in Workshops für Laien und Anfänger ihre Leidenschaft weiter.full on LOVE verrät sie, was sie selbst am Burlesque-Tanz fasziniert und wie jede Frau ihre Weiblichkeit noch mehr zur Geltung bringen kann.
Liebe ChiChi, dich selbst haben Burlesque-Größen wie Dita von Teese vom klassischen Tanz zur erotischen Performance gebracht. Was machte den Reiz aus?
Der Tanz war stilvoll, elegant aber auch sehr verführerisch. Einfach wunderbar weiblich und faszinierend. Kurze Zeit später habe ich Aphrodite DeVine und Diva DeSaster getroffen und wir haben zusammen die Filly Follies,  Münchens erste Burlesque-Truppe, gegründet. Das war ca. vor 8 Jahren. Mittlerweile haben wir unsere eigene Varieté Show mit dem Namen Velvet Voyage , die wir vier mal im Jahr in München zeigen.

Was ist Burlesque? Ein Lifestyle, Tanzform oder Verführungskunst?
Eigentlich nichts davon und doch auch ein bisschen von allem. Burlesque ist eine eigenständige Form des erotischen Tanzes, bei dem Frauen in humorvoll-fantasievoller Weise auftreten. Sie dient primär der erotischen Unterhaltung und im Gegensatz zum Striptease weniger der erotischen Animation. Burlesque ist eine Tanzdarbietung, die mit den weiblichen Reizen spielt.

Wo liegen die Ursprünge und was macht den Reiz auch heute noch aus?
Den Ursprung hatte die US-Burlesque in Gastspielen britischer und französischer Shows seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wo Frauen in Hosen auftraten. Das wirkte aufreizend, weil Frauen im Alltag noch nahezu ausschließlich mit langen Röcken bekleidet waren bei denen die Knöchel nicht zu sehen waren. Die Tänzerin Lydia Thompson brillierte mit Trikot und kurzen Röcken in der Burlesque und wurde ab 1868 in New York zum gefeierten Star. Die moderne Burlesque als Bühnenshow entstand unter dem Einfluss der großen Pariser Varietétheater wie Moulin Rouge und Folies Bergère, die von den Ziegfeld Follies Anfang des 20. Jahrhunderts imitiert wurden. Die Künstlerinnen entkleideten sich nicht vollständig, sondern entledigten sich nur gewisser Kleidungsstücke. Das Ausziehen von Handschuhen konnte dabei zur erotischen Attraktion werden.
Bis heute wird in der Burlesque nicht alles gezeigt, sondern nur angedeutet. Die Brustwarzen bleiben bedeckt und das Höschen bleibt an. Außerdem verfolgt Burlesque auch eine erzählerische Choreographie mit aufwendigen Kostümen und Requisiten. Das alles soll die Phanatsie des Betrachters anregen und bietet Raum für Interpretation. Und genau das ist es, was bis heute den Reiz ausmacht.
Die Abgrenzung zwischen den verwandten erotischen Tanzarten Striptease und New Burlesque wird vor allem durch den Grad des Ausziehens bestimmt. Eine Burlesque-Tänzerin entkleidet sich üblicherweise nicht komplett während einer Show. Die eigentliche Unterscheidung erfolgt jedoch durch die Ausrichtung und Zielsetzung der Vorführung. Während die Burlesque eher amüsieren, unterhalten und nur bedingt sexuell animieren will, zielt der Striptease sehr viel deutlicher auf eine sexuelle Stimulation und bindet weitaus weniger Elemente des Kabaretts oder Varietés in die Aufführung ein.

Bei der Eröffnung des FUN FACTORY Stores in München war dein Auftritt mit Aphrodite DeVine eines der Highlights. Wie häufig tretet ihr auf und wie sind die Reaktionen? Habt ihr einen besonderen Ansatz für euer Programm?
Die Filly Follies sind drei völlig unterschiedliche Frauen. Jede von uns entwickelt ihre Performances von der Idee bis hin zur Choreografie in Eigenregie. Dadurch lebt unser Programm durch die Individualität und Vielfalt. Wir haben eine eigene Show in München, die 4x im Jahr stattfindet. Dazwischen treten wir als Gastperformer in anderen Shows, auf internationalen Festivals sowie auf Firmen- und Privatveranstaltungen auf. Die Reaktionen sind durchwegs positiv – wir erhalten sowohl von Männern und vor allem auch von Frauen sehr viel Zuspruch.

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Im Programm gibt es auch viele komische Elemente. Wie wichtig ist der unverkrampfte Umgang mit Sexualität – auch in heimischen Schlafzimmern?
Sexualität und Nacktheit ist etwas ganz Natürliches. Daher sollte man  es ganz unbeschwert leben und genießen. Humor hilft dabei das Entkleiden als ein schönes, aufregendes Spiel zu betrachten.

Burlesque feiert die Weiblichkeit und die weiblichen Reize. Warum geraten diese bei vielen Frauen im Beziehungsalltag so oft ins Hintertreffen?
Der stressige Alltag in Job und Familie lässt vielen Frauen wenig Spielraum ihre sinnliche Seite auszuleben und dieser mehr nachzugehen. Sinnlichkeit und Weiblichkeit sind auch Kopfsache. Wenn der Kopf mit Aufgaben und Terminen voll ist, kann das durchaus passieren. Daher ist es wichtig, sich ab und zu Zeit für sich selbst zu nehmen und vielleicht auch den Beziehungsalltag mit etwas „Neuem“ aufzubrechen.

Es bedarf etwas Mut und einer Portion Selbstbewusstsein sich dem Partner sexy zu präsentieren, vielleicht sogar zu tanzen oder zu strippen. Hast du einen Trick wie das „erste Mal“ für beide Seiten besonders schön wird?
Gedimmtes Licht, sexy Outfit, die richtigen Accessoires und passende Musik sind das A und O, um die richtige Stimmung zu erzeugen. Gedimmtes, am besten rosa Licht- macht eine schöne Haut und taucht den gesamten Raum in einen gewissen Zauber. Die Musik muss nicht immer sinnlich sein, sondern gerne auch schwungvoll und selbstbewusst. Wichtig ist, dass Rhythmus und Tempo zur gewünschten Stimmung, aber vor allem zur Tänzerin passen. Kleiner Tipp: Es gibt im Handel sehr gute Burlesque-Compilations mit einer großen Bandbreite an Titeln – da ist für jeden etwas Passendes dabei!
Schöne Unterwäsche, vielleicht ein Korsett, Handschuhe, Federfächer oder eine Federboa sind tolle Accessoires, um sich in Szene zu setzen und den Tanz besonders feminin zu gestalten. Etwas in den Händen zu halten, über den Körper gleiten zu lassen, sich damit zu bedecken, um dann neckisch den Blick wieder freizugeben, kreiert Spannung und einen besonderen Reiz. Der Partner wird die Augen nicht abwenden können!
Gegen die Aufregung hilft ein Gläschen Prosecco. Aber Vorsicht, nicht zu viel, sonst wirkt der Tanz womöglich nicht mehr elegant erotisch.

Muss man Burlesque lernen oder trägt jede Frau die Grundanlagen bereits in sich?
Jede Frau kann Burlesque in Workshops erlernen und Spaß daran haben, darin ihre Weiblichkeit neu zu entdecken. Das liegt der einen Frau mehr, der anderen weniger. Auf jeden Fall haben Frauen die Möglichkeit durch Burlesque ein ganz neues Körpergefühl zu erfahren.
Für eine professionelle Bühnenkarriere bedarf es allerdings mehr. Denn es ist etwas anderes vor vielen Leuten auf der Bühne zu stehen, als in intimer Atmosphäre allein für den Partner zu tanzen.

Burlesque zeichnet sich durch stilvolle Erotik und akzentuierte Bewegungen  aus. Auf welche Grundelemente muss ich achten, um dasselbe Knistern zu erzielen?
Man sollte auf jeden Fall vorher Mimik und Posen, sowie Bewegungen ausprobieren und üben. Wer mag natürlich gleich mit passender Musik. Das gleiche gilt auch für das Ausziehen der Kleidungsstücke. Am besten auch das vorher vor dem Spiegel ausprobieren: Wie lässt sich der BH leicht öffnen oder wie wirkt das Ausziehen der Handschuhe besonders elegant. Wer gut vorbereitet ist, kann sich besser auf das Teasing konzentrieren und es wird mehr knistern.

Wo bekomme ich Expertentipps? Gibt es Workshops oder Einzelunterricht?
Im München natürlich bei den Filly Follies! Persönlich empfehlen kann ich zudem für den süddeutschen Raum Christine von Scheidts „Swing and the City“  , sowie Schönheitstanz  und die Shimmy Shakes Burlesque School in Berlin. In Leipzig bietet Miss Mama Ulita tolle Workshops an.
Eine Recherche im Internet bringt sicherlich in jeder größeren Stadt eine Möglichkeit zutage von professionellen Tänzerinnen Tipps und Tricks zu erhalten.

Wie können Männer ihre Frauen dazu motivieren, sich auf ihre Weiblichkeit zu besinnen?
Für jede Frau ist ihre Weiblichkeit etwas ganz individuelles. Und jede Frau sollte so sein dürfen, wie sie sich am wohlsten fühlt. Meiner Meinung ist ein liebevoller Umgang miteinander eine wichtige Grundvoraussetzung. Außerdem kann es nicht schaden, wenn Mann seine Frau regelmäßig nach allen Regeln der Kunst verwöhnt –  sei es mit einem gemeinsamen Kurztrip, schönen Dessous, Blumen und natürlich auch im Bett.

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Fotos: ©Verena Gremmer

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